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Verantwortung der Christen für die Weitergabe des Glaubens
Bericht über die Osterakademie Kevelaer 3.-6. April 2002

Grußwort des Bischofs

Unter dem Motto „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker“ (nach Mt 28,19) - Selbstverständnis der Kath. Kirche, ihr Missionsauftrag und die Neuevangelisierung Europas“ fand in Kevelaer die „traditionelle Osterakademie“ statt, wie der Pressedienst des Bistums Münster in seiner Meldung vom 28.03.02 mitteilte. Zu Beginn der Tagung machte das folgende Grußwort des Bischofs den Teilnehmern Mut, sich mit den anstehenden Fragen auseinanderzusetzen:

„Unser Heiliger Vater, Papst Johannes Paul II., hat uns in seinem großen Weltrundschreiben zu Beginn des neuen Jahrtausends „Novo Millennio Ineunte“ mit dem Leitwort „Duc in Altum“ - „Fahr hinaus auf den See“ Mut gemacht, auch im neuen Jahrtausend das Evangelium zu verkünden.

Ich freue mich, dass die Osterakademie des Initiativkreises Katholischer Laien und Priester im Bistum Münster dieses Anliegen des Heiligen Vaters aufgegriffen hat und in Referaten und Gesprächen Möglichkeiten und Chancen der Evangelisierung heute bedenkt.

Ich wünsche allen Versammelten den Segen des Auferstandenen Herrn.

Mit freundlichen Grüßen Ihr Reinhard Lettmann.“

In der Tat: diese Akademie hat Tradition und beschäftigte sich in diesem Jahr mit einem Thema, das weitgehend religionspädagogisch und pastoraltheologisch ausgerichtet war: Wie kann der Glaube in geeigneter und bleibender Form weitergegeben werden, geht es doch dabei um einen wesentlichen Aspekt für den Bestand der Kirche! So stellte bereits Prof. Schmälzle, Münster, in seinem Eröffnungsreferat fest, daß das Problem der Vermittlung der Glaubensinhalte weitgehend ungelöst ist. Heute bekannte religionspädagogische Modelle stehen in der Gefahr, Anspruch und Inhalt des RU zugunsten einer übermäßig anthropologisch orientierten Religionspädagogik zu vernachlässigen. Bernhard Scheidgen, Fachleiter a.D., berichtete aus seiner Erfahrung über die besonderen Schwierigkeiten dieser Vermittlung bei Schülern, bei denen ein christliches Elternhaus und eine christliche Umgebung fehlen, inzwischen die Mehrheit. Er zeigte aber auch anhand der Praxis seiner Arbeit, daß die Überlieferung des Glaubensgutes bisher der Problemorientierung im RU untergeordnet gewesen sei.

Wie wichtig der dogmatische Inhalt des Glaubens jedoch für die Weitergabe dieses Glaubens ist, erläuterte Dipl. Theol. Christian Schaller, Wiss. Assistent bei Prof. Dr. Müller in München. „Tot ist der Glaube, wenn wir keine Antwort mehr geben können“, resümierte er und stellte die Frage: „Was ist eine Offenbarung, die nicht offenbar ist?“ Daran schloß sich dann folgerichtig die philosophische Frage nach der „Wahrheit“ an, ob denn jeder „seine eigene Wahrheit“ habe. Dieser Aufgabe widmete sich Prof. Dr. Splett, St Georgen, und kam aufgrund seiner Darlegungen zu dem Ergebnis: „Wer sich der Wahrheit verweigert, macht sich unfrei.“ Niemand besäße zwar gesamte Wahrheit für sich selbst als vollkomenen Besitz, das bedeute aber nicht, daß es sie nicht gäbe oder daß man sie nicht „haben“ könne. Was man aber „habe“, das müsse man auch begründend verantworten. Bezogen auf die Offenbarung heiße das, daß man ihre Weitergabe so verantworten können müsse. Dieser Gedanke wurde im Referat von Prof. Dr. Hattrup, Paderborn, ergänzt durch die Anwendung dieses Gedankenansatzes auf die Neu-Evangelisierung Europas. Die Geschichte der kath. Kirche sei in der Vergangenheit vielfach davon geprägt gewesen, daß die Wahrheit der Offenbarung und ihre Weitergabe durch andere Interessen überlagert worden seien. „Interesse“ sei aber eine „Schrumpfform“ der Wahrheit. So seien Dogmen z.B. teilweise politische Erkennungszeichen für die Einheit politischer Reiche gewesen. Nur so sei erklärbar, daß manches Konzil, z.B. das von Ephesus, vom Kaiser einberufen worden sei. Jedoch: endliche Ziele - so wie hier die Einheit des (politischen) Reiches - verhinderten und zerstörten die eigentliche Aufgabe der Kirche, nämlich die Weitergabe des Glaubens, unabhängig von anders orientierten Interessen. Wie wichtig das Engagement von Christen jenseits politischer Machtinteressen in der Welt von heute ist, führte Bernd Posselt, MdEP, in seinem Referat mit großem Engagement aus. Er berichtete über die Versäumnisse der europäischen „Amtskirchen“, sich rechtzeitig genug an den Beratungen im Europaparlament zu beteiligen, und verwies auf den ersten Bundespräsidenten Heuss, der gesagt habe, Europa sei auf drei Hügeln errichtet: Golgotha, Akropolis und Capitol. Dabei wiesen zwei dieser Hügel auf die Bedeutung des Christentums für Europa hin, während die Akropolis für die griechische Philosophie stehe. Die Aufgabe der Laien sei es, als Christen in der Welt zu stehen und sie christlich mitzugestalten, nicht aber, sich in Ämter der priesterlichen Hierarchie hineinzudrängen. Dr. David Berger, Köln, stellte in seinem zweiteiligen Referat der gegenwärtig dominanten, den modernen Geistesströmungen angepaßten Religionspädagogik die Grundlagen einer nicht angepaßten Religionspädagogik gegenüber. Merkmal der angepaßten Religionspägdagogik sei, daß man keinerlei Bemühen erkennen könne, daß nach einem klaren didaktischen Aufbau der unverzichtbaren Glaubensinhalte und einer entsprechenden methodisch geeigneten Vermittlung dieser Inhalte gesucht werde. Vielmehr laufe dort das Bestreben darauf hinaus, nur noch das herauszufiltern, was in einem schülerorientierten RU (noch) „zumutbar“ sei. Dagegen gehe es bei der angemessenen Glaubensvermittlung darum, den mit Verstand und Gefühl begabten Menschen zum Empfang des ganzen katholischen Glaubens als Geschenk fähig zu machen. Das aber schließe das Recht auf Vollständigkeit der Vermittlung des Glaubensinhaltes ein. Das letzte Referat am Samstagmorgen, das wegen Erkrankung des Referenten Prof. Dr. Ockenfels, Trier, nur anhand des Manusskriptes vorgetragen werden konnte, beschäftigte sich mit „Macht und Moral der Medien“ und zeigte den Hintergrund auf, warum kirchliche und speziell katholische Themen in der Öffentlichkeit heute negativ dargestellt und nicht mehr als gleichberechtigter Standpunkt akzeptiert werden. Diese Gedanken wiesen noch einmal auf die im Referat Prof. Hattrups dargestellten „Interessen“ zurück, die sich eben nicht an der Wahrheit orientieren.

Im Verlauf der Osterakademie fand auch in diesem Jahr eine Exkursion statt, und zwar in das Carmelkloster von Marienthal bei Wesel, wo P. Peter OCarm die Teilnehmer in Bau und Kunst des ehemaligen Augustinereremitenklosters einführte. Besonders beeindruckend waren die Werke von im Nationalsozialismus verfolgten oder mit einem Schaffensverbot belegten Künstlern, die auch auf dem dortigen Friedhof den Familiengräbern eine individuelle Note verliehen haben. Für das Gelingen der Osterakademie war nicht zuletzt die organisatorisch hervorragende Leistung des Priesterhauses Kevelaer verantwortlich, in dem sich die Teilnehmer immer gut betreut und versorgt fühlen. Das verdankt der Initiativkreis Münster dem Hausherrn, Domkapitular Richard Schulte Staade, der wenige Wochen zuvor sein 70. Lebensjahr vollendete und die Anwesenden auch zur Tagung begrüßte, sowie der tatkräftigen Hilfe des Büros und der treuen Fürsorge der Hausoberin Schw. Theogarde mit der von ihr geleiteten Küche. Den Teilnehmern stand diesmal wegen des Orgelbaus statt der Basilika nur die Beichtkapelle zur täglichen Feier von Laudes und hl. Messe zur Verfügung. Mit ihrer dichten Atmosphäre war sie aber für alle eine positive Erfahrung.

Die Gesamtatmosphäre der Tagung charakterisierte eine der Stimmen folgendermaßen: Es sei stets ein menschlich angenehmer Umgangston vorherrschend gewesen, auch dann, wenn es, wie unvermeidlich, zum Austausch kontroverser Ansichten gekommen sei. Auch dies ein kleiner Beitrag zur Neuevangelisierung? Die gelöste und harmonische Atmosphäre zeigte sich abends auch nicht nur in der gemeinsamen Komplet, sondern ebenfalls im sich anschließenden gemütlichen Beisammensein, in dem an jedem Abend ein reger Gedankenaustausch stattfand.

 


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